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Mit Pioniergeist in die salzige Vergangenheit

Zwei Männer im selben Boot: Auftraggeber Hans Alder (links) und Bootsbauer Simon Leu präsentieren der Fachgruppe Tourismus der Hochrheinkommission die Kombination aus Kanu und Weidling.

Ein Boot unmittelbar vor dem Bülacher Rathaus: Das ist für die Passanten an diesem stür­mischen Dienstagmorgen ein doch eher ungewohnter Anblick. Der Rhein ist jedenfalls ein ­gutes Stück entfernt. Dort soll das Werk von Bootsbauer Simon Leu zum Einsatz kommen. Der Prototyp des sogenannten ­Kaling, eine Mischung aus Kanu und Weidling, ist für den Einsatz auf dem Rhein vorgesehen. Idee und Auftrag zum Bau stammen von Hans Alder, Inhaber des Eglisauer Sportegge, der Bootstouren auf Rhein und Thur anbietet.

Stabil und leicht zugleich

Seit langem schlummerte im umtrie­bigen Unternehmer die Idee von einer neuen Art Boot, das die Handlichkeit und das geringe­ Gewicht eines Kanus mit dem Komfort eines traditio­nellen Weidlings verbindet. Mit diesem Kaling liesse sich die histo­rische Salzstrasse zwischen Boden­see und Elsass (siehe Kasten) bequem und ohne län­gere Unterbrechungen befahren. «Die Reise im Kanu setzt eben doch Erfahrung und Sportlichkeit vor­aus. Und wer mit dem Weidling fährt, der muss unter Umständen bei den Kraftwerken sehr lange warten», sagt Alder.

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Die Salzstrasse - sas weisse Gold der Bayern (Quelle: Youtube)

«Da kann man keinen Zeitplan machen.» In Bootsbauer Leu aus Stein am Rhein fand Alder den geeigneten Partner. Gemeinsam tüftelten die beiden Männer am Prototyp: 5,5 Meter lang, 1,6 Meter breit, 60 Zentimeter hoch und ausschliesslich aus heimischem Lärchenholz gefertigt. «Der grosse Vorteil dieser Neuheit ist das Gewicht­», sagt der Bootsbauer. 110 Kilo seien zu viert bestens tragbar, sodass man nicht mehr auf die Transportdienste der Kraftwerksbetreiber angewiesen sei. 250 Stunden Arbeit steckte Leu in das Projekt, 150 davon in den Bau.

Den Prototyp prä­sentierten Alder und Leu gestern der Fachgruppe Tourismus der Hochrheinkommission. Diese tagte erstmals in Bülach, auf Einladung von Mitglied «Standort Zürcher Unterland». Die Hoffnung der beiden Bootsbauer: ein Zustupf an die Entwicklungskosten des Kaling.

Abwartend begeisternd

Vertreter beider Seiten des Rheins zeigten sich zwar sehr ange­tan von der Idee der Salzstrassenfahrten, wollen das Projekt, aber nicht den Bootsbau, sondern die Vermarktung unterstützen. Im ersten Moment etwas enttäuscht, lässt Alder keine Zweifel offen, dass er das Projekt weiter vorantreiben wird. «Ich bin überzeugt, dass auch für Themenreisen, wie die historische Salzfahrt es sein wird, ein Markt vorhanden ist», sagt der Outdoor-Unternehmer, der seit 30 Jahren im Geschäft ist. «In der Schweiz nutzen wir unsere Gewässer zu wenig», ist Alder überzeugt.

Das Boot mit acht Plätzen biete sich für Gruppenreisen an. Werden nicht alle Sitzplätze benötigt, kann mittels Holzbrett eine Liege­fläche eingebaut werden. Bereits im Sommer will Alder Kaling-Tou­ren anbieten. Wer die ganze Strecke fährt, dürfte rund eine Woche benötigen. Aber auch Tagesetappen sollen möglich sein.